Willkommen bei Hobbybrauer.de Willkommen bei Hobbybrauer.de
Startseite Forumsübersicht Impressum  
Login

Hauptmenü

Suche
archiv.hobbybrauer.de mit Google durchsuchen:

Mein erster Sud
Geschrieben am Donnerstag, 24. Oktober 2002 von hobbybrauer

Interessantes zum Bier und Bierbrauen Hoffmann schreibt:
"So mitte Mai gings zum ersten mal  richtig los - mein erster Sud! Zuerst nochmals alles kontrolliert, alles da, gut, dann kann´s ja losgehen. Von einem Bekannten bekomme ich noch schnell einen "Glühweintopf" mit ca. 30 Liter Inhalt und 1,8 KW Heizleistung geschenkt. Naja, dann kann ja gar nichts mehr schiefgehen.

20 Liter Wasser auf 53 Grad C bringen, dann Malz dazu, aufheizen, alles genau nach Beschreibung gemacht. Aber halt - was soll das? Ich hab doch die Heizung bei 63 Grad C abgedreht, wieso heizt denn das noch immer weiter ? Bin jetzt schon bei 73 Grad C, Panik bricht aus! Schnell kaltes Wasser dazugeschüttet, aber jetzt bin ich wieder nur bei 49 Grad C ?? Mehr schlecht als recht bring ich die drei Rastzeiten hin, und dann geht´s zum Abläutern. Stuhl umgedreht, Windeln drauf, Eimer untergestellt, Würze in die Windeln geschüttet - peng - die Windel löst sich vom Stuhlbein. Also nochmals von vorne, diesmal Windel fester ans Stuhlbein gebunden. 20 Liter Nachguss auf Temperatur bringen und nochmals drübergeschüttet. Und wieso rinnt das ganze jetzt so langsam durch? Aber auch das ist nach zweieinhalb Stunden geschafft. Jetzt kann doch nichts mehr schief gehen! Die klare Würze wieder zurück in den Glühweintopf, und voll aufgedreht zum Kochen. Dachte ich zumindest, denn bei 85 Grad C geht nichts mehr weiter. So, und jetzt? Schnell zu meiner Lebensgefährtin in den Kindergarten gefahren, die haben doch irgendwo so eine Kochplatte rumliegen. Wieder zurück, alles vom Glühweintopf in einen großen Kochtopf umgeschüttet, Heizplatte auf volle Leistung und endlich fängt´s auch an zu kochen. Sprudelnd kochen soll es, und das 90 Minuten lang, na gut. Mit Interesse verfolge ich den immer mehr absinkenden Würzespiegel im Kochtopf. So ca. 25 - 30 Liter fertiges Bier war geplant, und das sehe ich mit jeder Minute mehr verdampfen. Endlich - nach 90 Minuten Kochende! In der Zwischenzeit ist auch meine Lebensgefährtin von der Arbeit zurück und will einkaufen fahren. Hab ich ihr doch versprochen, stimmt, ja. Aber bis dorthin wollte ich doch mit meinem Bier fertig sein. Gut, hilft nichts, versprochen ist versprochen. Ich lasse alles liegen und stehen, kann doch nichts mehr passieren, jetzt da das Bier schon fertig gekocht ist!
Nach eineinhalb Stunden wieder zurück vom Einkauf, Bier ist nur noch lauwarm, aber jetzt auf zum Hopfenseien! Stuhl - Windeln - dasselbe Abenteuer von vorne. Aber auch das ist endlich geschafft, ab in den Gärbottich und obergärige Hefe dazu.
Einen Tag später, 6 Uhr morgens: Das Bier gärt, denn man sieht den Schaum. Aber von wild kräuselnden Schaumbergen ist nichts zu sehen. Auch nicht am nächsten Tag. Und am übernächsten auch nicht. Eine ganze Woche lang nicht. Und jetzt ist das bisschen Schaum auch noch weg. Ich beschließe, die Speise dazuzugeben und in Flaschen abzufüllen. Natürlich, mit Kronkorken verschlossen.
Gleich vorweggenommen: Flasche hat es keine zerrissen!
Nach ca. 3 Wochen Nachgärung wollte ich´s dann doch genau wissen - ich öffne die erste Flasche selbstgebrautes Bier. Naja, schmeckt schon irgendwie komisch und so gar nicht nach Bier. Vielleicht noch eine Woche zuwarten? Je länger ich warte umso "komischer" schmeckt das Bier, und irgendwann muss ich Farbe bekennen, denn meine Lebensgefährtin drängt schon auf die Verkostung. Schließlich nehme ich all meinen Mut zusammen, öffne eine Flasche Selbstgebrautes und schenke es ihr in ein Glas ein. Ja, die Farbe ist in Ordnung, die Schaumkrone auch. Noch ist sie vollen Lobes, aber ich sehe schon das Unheil kommen. Voller Genuss setzt sie das Glas an die Lippen und nimmt den ersten Schluck. Plötzlich - ein verzogenes Gesicht, und nur ein Wort: ESSIG !
Der geneigte Leser mag erahnen, was passiert ist. Irgendwo und irgendwie haben sich da ein paar schlimme Essigbakterien in mein Bier eingenistet. Eine befreundetes Ehepaar ist auch bei uns auf Besuch, sie heißt Anita und kommt aus Peru. Die muss natürlich auch gleich kosten - diese Schande! Doch siehe da, ihr Kommentar zum "Essigbier": mhm, gut, so schmeckt das Bier bei uns auch. Jetzt weiß ich´s, das Bier ist schon in Ordnung, hab´s halt nur im falschen Land gebraut.....

Zähneknirschend öffne ich alle Flaschen, es will nicht einmal wer einen Bieressig, und sehe mich gezwungen alles wegzuschütten. Naja, zumindest hat das saure Bier jetzt meine Abflüsse mal so richtig gereinigt.

Ich beschließe, bevor ich mit meinem zweiten Sud beginne, mir noch ein paar Gerätschaften zuzulegen bzw. selbst zu bauen und die vorhandenen zu verbesser. Und in der Zwischenzeit hab ich auch schon einige Sude hinter mir, aber das alles ist mir zum Glück nicht mehr passiert.

www.manfred-hoffmann.at/brauerei/"

 

Alle Logos und Warenzeichen auf dieser Seite sind Eigentum der jeweiligen Besitzer und Lizenzhalter.
Im übrigen gilt Haftungsausschluss. Weitere Details findest Du im Impressum.
Die Artikel sind geistiges Eigentum des/der jeweiligen Autoren,
alles andere © 1998 - 2022 by Hobbybrauer.de
Die Inhalte dieser Seite sind als RSS/RDF-Quelle verfügbar.
Die Website oder Teile daraus dürfen nicht ohne ausdrückliche Zustimmung von Michael Plum weiterverwendet werden.
© 2014 Michael Plum